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Jan Michaelis: Ein Mörder-Talent aus Düsseldorf

Wie ich Kurzkrimiautor wurde

Jan Michaelis Ein „Mörder-Talent“ aus Düsseldorf Oder: Wie ich Kurzkrimiautor wurde
Der Diesel wummerte. Auf dem Rhein arbeitete sich der Schaufelraddampfer gegen die Strömung. Seit sechs Stunden waren wir an Bord und mussten uns versteckt halten, denn wir waren die Überraschung für den runden Geburtstag. Jetzt lief unsere Show. Und mein Herz raste so, dass ich nicht mehr konnte. Ich legte mich nach meinem Sketch heimlich hinter dem Vorhang hing. Hier traf ich die Entscheidung: „Ich beende die Kabarettkarriere wegen meines Herzfehlers, denn das will ich nicht mehr, dass ich womöglich eine Aufführung sprenge.“
Zwei Semester hatte ich am Abend neben der Arbeit studiert bei Martin Maier-Bode, wie man Songs verfasst, Sketche bringt. Zwei Mal stand ich mit dem Ensemble „Die Therapeuten“ auf der Bühne des Düsseldorfer Kommödchens vor ausverkauftem Haus. Jetzt war dies das Aus. Das Ensemble löste sich dann nach und nach auf. Zurück blieb ich in Düsseldorf als Autor. Denn am Schreibtisch drohte kein Herzrasen die Aufführung zu sprengen.
Ich schrieb Geschichten, in denen Frauen mordeten. Damit wurde ich entdeckt bei der Offenen Gartenpforte in Mönchengladbach. Ich war Ersatzmann für eine Kollegin, die absagen musste. Die Spartenbeauftrage für Literatur Claudia Uebach-Pott schlug im Herbst eine Lesung mit mir vor: „Du hast doch noch mehr Texte.“ Ich bluffte: „Klar!“ Doch ich hatte nur drei fertige Texte. Also hieß es für mich schreiben, schreiben, schreiben.
Zudem war ich völlig unbekannt. Für das Krimimenu mit Künstlerkoch Norbert Hompesch im Oktober 2007 im BIS-Zentrum Mönchengladbach dachte ich deshalb, noch ordentlich die Trommel rühren zu müssen. Ich lud extra meine Mutter ein, damit die Plätze auch nicht leer blieben. Doch meine Freunde riefen empört an: „Was ist denn da los? Wir kriegen keine Karten mehr. Ausverkauft!“ Meine Mutter wurde dann einfach zusätzlich an einen Tisch gesetzt. Mit so einem Erfolg hatte ich nicht gerechnet.
Ich schrieb einen Kriminalroman „Frag nie zuviel – ein Sankt Petersburg Krimi“ der in Düsseldorf-Oberkassel und Sankt Petersburg spielt. Den Roman veröffentlichte der in Hanau und Hadamar ansässige Verlag wortgewaltig mit Verlegerin Claudia Gotthard, die in Nidderau eine Lesung bei der lokalen Buchmesse anbahnte. Eine Lesereise führte durch Hessen und nach Weimar.
Seit sieben Jahren zähle ich als Krimiautor zum Stamm der Krimitage in Mönchengladbach, zusätzlich habe ich eine eigene Reihe „Krimifrühschoppen“ im Kulturkeller Heilbronn ebenfalls im siebten Jahr mit immer neuen Morden.
Weitere Tatorte der fiktiven Taten ziehen die Blutspur durch die Republik. Für die Kurzkrimis bot sich die Veröffentlichung in einer Krimianthologie an. Der Sammelband erschien im Peter Gallus Verlag in Schwerte und Dortmund und inzwischen ist ein zweiter Band in Vorbereitung.
Bei der Mainzer Minipressen Messe entdeckte ich den Verlag Sonderpunkt aus Münster. Hier erscheinen meine kurzen Regiokrimis in der Reihe Sonderpunkte. Das ideale Format für die „Kurze Strecke“, schick aufgemacht und doch nur so groß wie ein Reclamheft.
Inzwischen bin ich zurück auf der Bühne, aber ohne Ensemble. Jetzt freut es mich besonders in Hilden am 25.8. im Alten Bahnhof im K 52 des Restaurants Depesche zu lesen bei der neuen Reihe „Mord am Montag